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Stellungnahme der Kirchenkonferenz der EKD

Gewalt beenden, dem Hass entgegentreten

24.03.2022 | EKD-Kirchenkonferenz hat sich in ihrer Sitzung am 23.24.03.2022 mit dem Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, beschäftigt.

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Matthäusevangelium Kapitel 5, Vers 9

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Hannover - Die Kirchenkonferenz hat sich als Organ aller Gliedkirchen der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD) in ihrer Sitzung am 23./24. März 2022 mit dem Krieg,
den Russland gegen die Ukraine führt, beschäftigt.

Sie erklärt:

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Matthäusevangelium Kapitel 5, Vers 9


Wir sprechen allen Menschen, die in der Ukraine und angrenzenden Ländern von
der unfassbaren Gewalt des vom russischen Staatspräsidenten begonnenen
Krieges betroffen sind, unsere Achtung und unser tiefes Mitgefühl aus. Dass
Menschen – Soldaten wie Zivilbevölkerung – für politische und militärische Ziele
instrumentalisiert, verletzt und getötet werden, verurteilen wir auf das Schärfste.
Wir bewundern den Mut der ukrainischen Zivilgesellschaft und nehmen ihn
angesichts unserer komfortablen Situation in Deutschland mit einem Gefühl der
Beschämung zur Kenntnis. Mit Respekt und voller Dankbarkeit blicken wir auf die
große Hilfsbereitschaft, die sich in der Ukraine, den angrenzenden Ländern und
auch bei uns in Deutschland zeigt. Wir werden alles in unserer Möglichkeit
Stehende tun, um die Menschen in der Ukraine und Geflüchtete zu unterstützen.
Dazu zählt die Fürbitte genauso wie die Seelsorge an Traumatisierten, der Einsatz
für besonders verletzliche Menschen und alle Unterstützung für diplomatische
und nichtmilitärische Wege.


Auf der Grundlage des Evangeliums von Jesus Christus sind wir zutiefst davon
überzeugt, dass Frieden letztlich nicht mit Waffengewalt zu schaffen ist. Frieden
ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Ohne Vertrauen, Gerechtigkeit und
persönliche Kontakte zwischen Menschen aller Völker ist Frieden nicht möglich.
Dennoch sehen wir das Dilemma verschiedener Optionen zwischen dem
grundsätzlichen Wunsch nach einer gewaltfreien Konfliktlösung und dem Impuls,
angesichts eines Aggressors, der auf brutale Weise geltendes Völkerrecht
missachtet und Kriegsverbrechen begeht, die Ukraine mit Waffen zu
unterstützen. Unbestritten ist das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine im Blick
auf die gegen sie gerichteten Aggressionen.


Wir rufen die russische Führung auf, die Gewalt zu beenden. Wir sehen mit
ohnmächtigen Gefühlen auf den Kriegstreiber und unterstützen die Bemühungen
der Politik, ihm wirksam entgegenzutreten. Wir selbst können viel für die
Menschlichkeit tun. Dazu gehört es, geflüchtete Menschen aufzunehmen und in
unserer Gesellschaft keine Spaltung zwischen verschiedenen Gruppen von
Geflüchteten entstehen zu lassen. Das Recht auf Zuflucht an einem sicheren Ort
ist nicht teilbar.

Wir dürfen über die große Hilfs- und Spendenbereitschaft für die Ukraine nicht
andere Kriegsregionen vergessen. Eine solche Verlagerung der Hilfsbereitschaft
läuft auf Dauer Gefahr, als Folge des Krieges in der Ukraine Konflikte in anderen
Weltgegenden zu verursachen und Menschen sterben zu lassen. Humanität ist
nicht teilbar. Humanität stiftet Frieden. Wir bitten die Bundesregierung mit
Nachdruck, von der beabsichtigten Kürzung der Mittel für Entwicklungshilfe
abzusehen.


Innerhalb der Russisch-Orthodoxen Kirche nehmen wir eine deutliche
Mehrstimmigkeit wahr. Von Beginn an gab es auch in deren Reihen Voten gegen
die Kriegshandlungen, insbesondere in der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des
Moskauer Patriarchats. Wir würdigen den Mut vieler orthodoxer Priester in
Russland, die sich in einer Unterschriftenaktion gegen den Krieg und die Position
ihrer Kirchenleitung geäußert haben. Als Friedensstifter haben sie viel riskiert und
sich in große Gefahr begeben. Umso wichtiger ist es uns, einer pauschalen
Wahrnehmung der russischen Orthodoxie und deren Einordnung in ein uniformes
Feindbild von Russland entschieden entgegenzuwirken.


Angesichts der Mehrstimmigkeit der russischen Orthodoxie hoffen wir, dass es
möglich ist, Brücken des Dialogs aufrechtzuerhalten. Sie können Wege eröffnen,
die für einen Friedensprozess von großer Bedeutung sein können. Für eine
langfristige und tragfähige Perspektive ist es entscheidend, kulturelle,
wirtschaftliche und menschliche Kontakte zu halten. Die Zivilgesellschaft in
Russland ist auf unsere Unterstützung angewiesen. Ebenso wichtig ist es, den
gesellschaftlichen Zusammenhalt bei uns zu fördern. Es darf sich kein Hass gegen
Menschen russischer Abstammung bei uns ausbreiten.


Eine künftige Friedensordnung braucht mehr als militärische Gewalt und
Abschreckung: sie braucht globale Gerechtigkeit, sie braucht Klimagerechtigkeit,
sie braucht eine verbindliche Rechtsordnung, die die Zivilgesellschaft stärkt, die
Menschenrechte sichert und auch für Großmächte gilt.


Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort hat der
Frieden. Christus ist unser Friede.